Mediendidaktik Deutsch
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Der "Brötchentanz" im Deutschunterricht
Der "Brötchentanz" im Deutschunterricht
Im Rahmen einer mediendidaktischen Orientierung des Deutschunterrichts in der Sekundarstufe I sollen hier Überlegungen angestellt werden, wie filmhistorische und filmsprachliche Aspekte mit literarischen bzw. journalistischen Texten in einem Lehr-Lern-Arrangement operationalisiert werden können.
Ausgangspunkt der Überlegungen ist konkret vorliegendes (und frei zugängliches) Material:
* Der Film "Gold Rush" (USA 1925) von Charlie Chaplin
* Darin die berühmte Filmsequenz "Brötchentanz"
* Die erste Version eines Brötchentanzes in einem Spielfilm von 1917
* Die Verarbeitung des Brötchentanzes als Zitat in einem Spielfilm von 1993
* Die Filmkritk "Brötchentanz" von Kurt Tucholsky alias Peter Panter in der Vossischen Zeitung vom 15.12.1925.
Der komplette Spielfilm "Gold Rush" ist auf youtube in Abschnitten verfügbar. Ebenso die Szenen aus den beiden anderen Filmen. Die Texte von Tucholsky sind ebenfalls im Internet frei zugänglich. Für didaktische Zwecke wurde eine Zusammenfassung von "Gold Rush" in 4 Teilen erstellt und die Brötchentanzszene von Chaplin mit ergänzenden Texttafeln erstellt. Auch die Brötchentänze der anderen Filme wurden in 2 Clips mit Texttafeln kommentiert.
* "Brötchentanz" von Chaplin aus dem Film "Gold Rush" (USA 1925)
* "Brötchentanz" von Johnny Depp aus dem Film "Benny & Joon" (USA 1993)
* "Brötchentanz" von Roscoe Arbuckle aus dem Film "The Rough House" (USA 1917)
* Zusammenfassung des Films "Gold Rush" Teil 1
* Zusammenfassung des Films "Gold Rush" Teil 2
* Zusammenfassung des Films "Gold Rush" Teil 3
* Zusammenfassung des Films "Gold Rush" Teil 4
* "Der Brötchentanz" von Kurt Tucholsky alias Peter Panter in der Vossischen Zeitung vom 15.12.1925
Ausgehend von diesem Material folgen nun Überlegungen zum didaktischen Mehrwert einer unterrichtlichen Auseinandersetzung mit zu umschreibenden Zielsetzungen.
Forderungen nach einem mediendidaktisch orientierten Deutschunterricht bestimmen die derzeitige fachdidaktische Diskussion. Frederking, Krommer und Maiwald (2008) fordern etwas provokativ eine "dritte Säule" der Deutschdidaktik: neben Sprach- und Literaturdidaktik soll sich eine Mediendidaktik Deutsch etablieren. Die Legitimation liegt in der Mediensozialisation der Kinder und Jugendlichen einerseits und in der entwicklungsbedingten Ausweitung des Gegenstandsbereichs andererseits begründet. Die quantitative Zunahme des Stoffes evoziert zunehmend exemplarisches Vorgehen im Unterricht. Es kommt also immer mehr darauf an, an welchen didaktisch legitimen Gegenständen Inhalte vermittelt werden. Dabei geht es nicht um ein Zurückdrängen traditioneller Inhalte, sondern um eine sinnvolle Ergänzung. Im vorliegenden Beispiel also nicht: literarischer Text oder Film, sondern die Analyse möglicher Synergieeffekte bei der Auseinandersetzung mit diesem Medienverbund.
Journalistische Texte spielen im Deutschunterricht der Sekundarstufe allenfalls im Zusammenhang mit dem Thema "Zeitung" eine Rolle. Die spezifischen (literarischen) Textqualitäten, das Exemplarische des Textformats Rezension sind eher randständig. Noch marginaler ist die Verhandlung filmischer Aspekte: es bleibt meist dem Zufall überlassen, ob und wie ausführlich Film im Deutschunterricht thematisiert wird. Die Vorlieben der Lehrperson sind da entscheidender als (fehlende) curriculare Vorgaben.
Das vorliegende Material lässt eine literaturdidaktische und eine mediendidaktische Perspektivierung zu. Beim "Brötchentanz" von Tucholsky wird das journalistische Textformat Rezension vorgeführt. Dabei handelt es sich um die verschriftete Qualifizierung einer subjektiv vollzogenen Rezeption eines Filmausschnitts durch einen filmischen Laien. Der Text hat informativen Gehalt (Inhalt des Films wird skizziert, Charakteristika der Filme Chaplins werden exemplarisch herausgearbeitet und bewertet) und appellativen Charakter ("Vergessen Sie nicht, auf den Brötchentanz zu achten!" > Gehen Sie ins Kino!). Tucholsky, alias Peter Panter, beschreibt die Exposition des Films (Auftritt des Tramps), um den Kontext der von ihm herausgehobenen Szene anzudeuten... [ergänzen]
Der Filmausschnitt "Brötchentanz" von Chaplin hat filmhistorische Relevanz (examplarisch für Stummfilmära, einfache technische Mittel > einfache filmsprachliche Codierung) und ist wiederum ein Zitat der Filmgeschichte. Zudem zitiert Chaplin als Tramp den Auftritt einer Ballerina auf der Großen Bühne des Theaters. Mit einfachsten Mitteln imaginiert er eine Figur, die sich grazil zur eingespielten (später nachvertonten) Musik auf der kleinen Bühne des Tisches vor erträumtem Publikum bewegt. Eine Theaterszene im Film, die in sich abgeschlossen ihre Wirkung beim Publikum entfaltet. Die Szene ist ungeschnitten mit statischer Kamera in einer Einstellungsgröße gedreht und ist deshalb zur Einführung in die filmischen Mittel (Kameraführung, Schnitt, Einstellungsgröße, Mise en Scéne) geeignet.... [ergänzen]
Innerhalb der möglichen Schwerpunktsetzung können wiederum unterschiedliche Zieldimensionen für das Lehr-Lern-Arrangement wesentlich sein... [ergänzen]
Letzte Änderung von Michael Gans am 27.01.2010 um 10:31
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